Wulingyuan & Zhangjiajie

Nach einer viel zu kurzen Nacht in Changsha machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum Busbahnhof, wobei wir wieder einmal feststellten, dass alles viel leichter ist, wenn man mit einem Local unterwegs ist. Kurz nach dem Start gerieten wir mit dem Bus leider in einen großen Stau, sodass sich die Fahrt sehr lange hinzog. Nach ca. 6 Stunden kamen wir dann in dem kleinen Touristenstädtchen Wulingyuan an, welches sich am Eingang des Zhangjiajie National Forest Park befindet und bezogen das bisher schönste Hostel. Die nette Dame am Empfang sprach zwar nur wenig Englisch, gab uns aber eine riesige Karte des Parkes und erklärte uns dann ausführlich wie wir diesen erkunden können. Dafür sprach sie den Text auf chinesisch in ihre Übersetzungsapp, welche es dann (größtenteils sinnvoll) auf Englisch übersetzte.

Den restlichen Tag verbrachten wir damit, das Städtchen anzuschauen, einzukaufen, etwas zu essen und die nächsten Tage zu planen.

Am nächsten Tag mussten wir dann auch schon früh raus, um beizeiten im Park zu sein. Wir hatten uns dazu entschieden auf die Seilbahn zu verzichten und den Fußweg zu Tianzi Mountain zu nehmen. Scheinbar waren wir die einzigen, die diesen Entschluss gefasst hatten, so dass wir ungestört von den lauten chinesischen Touristengruppen, welche bei allen Sehenswürdigkeiten zu finden sind, den Weg bestreiten konnten. Vermutlich lag das daran, dass der gesamte Wanderweg nur aus Stufen besteht und der Aufstieg extrem anstrengend ist. Trotzdem war es schön, die Szenerie bei super Wetter in Ruhe genießen zu können und die Ausblicke auf die schöne Landschaft entlohnten uns für die Mühe. So konnten wir die Felsformationen erst von unten bestaunen und am Schluss von oben überblicken. Oben angekommen, gab es dann etwas zu essen, bevor wir mit dem Bus zu einem anderen Teil des Parkes, Yangzjiajie fuhren, wo wir die natural great wall bestaunten und dann den abenteuerlichen Aufstieg zu Tianbo Mansion in Angriff nahmen. Dort angelangt stellten wir fest, dass der Park schon bald schließt und machten uns daher schnell auf den Rückweg, da wir schon gelesen hatten, dass man in überteuerten Hotels im Park übernachten muss, wenn man es nicht rechtzeitig hinaus schafft. Angesichts der Tatsache, dass wir uns im am weitesten vom Ausgang entfernten Ende des Parkes befanden, hatten wir noch ein ganzes Stück vor uns. Planmäßig sollten wir noch einen Bus zum Bailong Elevator nehmen, einem Aufzug, der außen an einer großen Felsklippe hinunterfährt, und danach noch mit anderen Bussen zum Eingang zurückfahren. An der Bushaltestelle angekommen, versuchten wir herauszufinden, ob und wann noch ein Bus fährt, erhielten allerdings keine richtige Antwort. Der Mitarbeiter bedeutete uns nur, wo wir warten sollten. Nachdem wir das eine ganze Weile getan hatten fragten wir nochmal nach, ob überhaupt noch ein Bus kommen würde und ob wir es noch rechtzeitig aus dem Park schaffen würden. Mithilfe eines anderen Besuchers, der ein paar Brocken englisch sprach, vermittelte uns der Aufseher dann, dass es nicht mehr reichen würde und wir zu spät dran seien.

Wir versuchten uns also mit dem Gedanke anzufreunden, uns ein Zimmer im Park zu suchen, ohne jegliche Übernachtungsutensilien dort zu schlafen und doppelt zu zahlen. Wir entdeckten eine Gruppe chinesicher Jugendlicher, welche wir schon unterwegs getroffen hatten und mit denen wir auch Fotos gemacht hatten und beschlossen sie zu fragen, wo sie übernachteten und ob es dort noch Zimmer gäbe. Über eine Übersetzungsapp teilten sie uns dann mit, dass sie auch nicht im Park schlafen und guter Dinge waren, es noch aus dem Park zu schaffen, da der letzte Bus wohl erst eine halbe Stunde nach Schließung des Parkes fährt. Sie traten in Verhandlung mit einem Taxifahrer und zehn Minuten vor Ende der Öffnungszeit stiegen wir schließlich zu siebt ins Großraumtaxi, welches uns in rasantem Fahrstil zum Aufzug brachte, für den wir glücklicherweise auch noch Tickets bekamen. Da es mittlerweile schon dunkel war und die Aufzugkabine ungefähr so voll war wie eine Sardinendose, bekamen wir zwar absolut nichts von der Aussicht mit, waren aber heilfroh, es noch vom Berg runter geschafft zu haben und im Shuttlebus zum Ausgang freuten wir uns mal wieder über unser unverschämtes Glück, durch welches wir trotz unserer teils katastrophalen Zeitplanung immer noch alles auf die Reihe kriegen.

Am nächsten Tag nahmen wir uns dann einen anderen Teil des Parkes vor, wofür wir erst mal mit dem Bus zu einem anderen Eingang fahren mussten. Dort angekommen machten wir erstmal Bekanntschaft mit den dort lebenden Affen die den Touristen die Plastiktüten mit ihrem Essen aus der Hand rissen und dieses dann genüsslich verzehrten. Ein Junge, der gerade angefangen hatte eine Mandarine zu schälen gab lieber gleich auf als der Affe auf ihn zugerannt kam und schmiss sie ihm schnell hin. Sehr amüsant anzusehen, aber dann vergewisserten wir uns lieber nochmal, dass bei uns alles sicher im Rucksack verstaut ist.

Dann begann auch schon der Anstieg und wer hätte es gedacht, der ganze Weg nach oben bestand wieder nur aus Treppen. Als wir dann erschöpft oben angekommen waren, wurden wir wieder mit einer tollen Aussicht belohnt. Nach einer Vesperpause in der Sonne machten wir uns dann auf den Rundweg um den Berg bei dem es viele weitere schöne Aussichtspunkte zu bestaunen gab.

Zurück am Ausgangspunkt entschieden wir dann die Seilbahn mit Glasboden zurück zu nehmen um nicht wieder Gefahr zu laufen über Nacht im Park gestrandet zu sein.

Abends wollte Jessy sich dann noch ein T-shirt kaufen, da sie für das wärmere Wetter noch nicht optimal ausgestattet war, daher schlenderten wir noch etwas durch Wulingyuan und die Läden, allerdings ohne Erfolg. Scheinbar ist die Mode in China extrem der jeweiligen Saison angepasst und obwohl es tagsüber sehr warm wird, waren die Läden wohl im Wintermodus. Es gab unzählige Daunenjacken zu kaufen, sowie Daunenschlafanzüge (hätten wir auch gerne gehabt, da es in Südchina keine Heizungen gibt und es nachts doch sehr kalt ist) aber wir fanden im ganzen Ort kein einziges kurzärmeliges Oberteil. Anscheinend stört das aber nur uns, denn die meisten Chinesen denken auch bei strahlendem Sonnenschein und 20 °C nicht daran, ihre Daunenjacken auszuziehen. Also musste sich Jessy am nächsten Tag ein T-shirt von mir ausleihen, wir gingen noch was essen und dann zurück ins Hostel.

Der dritte Tag im Park begann am selben Ort wie der vorige, von wo aus wir dann am golden whip stream entlang losliefen. Nach einer Weile entspanntem geradeaus Laufens gings dann wieder bergauf, diesmal mit dem Ziel, den Hallelujah-Peak anzuschauen. Da die schwebenden Hallelujah-Berge im Film Avatar durch die Landschaft in diesem Park inspiriert wurden, wurde dieser Fels nach ihnen benannt. Mal wieder waren wir fast die einzigen die den Fußweg nach oben nahmen und je näher wir der Hauptattraktion kamen, desto lauter und voller wurde es.

Danach ging es dann noch weiter an anderen kreativ benannten Felsformationen vorbei, wie zum Beispiel Magic Turtle looking to heaven und eight men looking at the moon, über die höchste natürliche Brücke der Welt und schließlich wieder den Berg runter wo wir dem Bach zum anderen Ausgang des Parks folgten.
Am nächsten Morgen war es dann schon an der Zeit aus dem Hostel auszuchecken, wir konnten allerdings unsere Rucksäcke noch da lassen und fuhren dann mit dem Bus zur längsten und höchsten Glasbrücke der Welt, welche erst vor ein paar Monaten eröffnet wurde. Nachdem wir unsere Rucksäcke abgegeben und Schuhschützer übergezogen hatten, gings dann los. Ein etwas mulmiges Gefühl hat man schon, wenn man zum ersten Mal auf eine der Glasflächen tritt, aber dann ist es ziemlich cool über dem Abgrund zu laufen. Auf der Brücke fühlten wir uns wieder wie eine eigene Attraktion und wir kamen kaum vorwärts, da ständig Leute Fotos mit uns machen wollten. Schließlich schafften wir es dann aber doch zum anderen Ende der Brücke und wieder zurück und machten uns dann auf den Rückweg und holten unsere Rucksäcke aus dem Hostel ab.

Danach gings gleich in den nächsten Bus nach Zhangjiajie City, wo wir eine Nacht verbringen wollten um am nächsten Tag Tianmen Mountain anzuschauen. Am Busbahnhof angekommen machten wir uns auf die Suche nach dem Hostel und machten es uns dort dann erstmal in der Sitzecke bequem, da niemand dort war, bei dem wir einchecken könnten. W-LAN und Steckdosen gabs aber, also halb so schlimm. Nach über einer Stunde kam dann mal jemand angefahren, der auch ganz nett war und uns sogar zum Bahnhof mitnahm, als wir sagten, dass wir uns Zugtickets für den nächsten Tag kaufen möchten. Das klappte auch wieder gut und nachdem wir uns noch was zum essen besorgten gingen wir zurück zu unserem Dorm-Zimmer, welches zwar ein ziemliches Downgrade von unserem schönen Doppelzimmer war, aber in welchem wir immerhin die einzigen Bewohner waren. Nach einer kalten Nacht machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zur Seilbahnstation, da wir uns das Erlebnis, mit der längsten Seilbahn der Welt zu fahren, natürlich nicht entgehen lassen wollten. Nachdem wir die sündhaft teuren Tickets gekauft hatten, informierte uns die Verkäuferin, dass die Tianmen Cave, die eigentlich das Besondere an dem Berg ist, gerade geschlossen ist, wegen schlechtem Wetter. Bei der halbstündigen Gondelfahrt hatte man einen tollen Ausblick auf die Berge und die schöne Landschaft sowie auf Zhangjiajie, eine eher hässliche Stadt. Oben auf dem Berg gab es auch wieder Glaswege außen am Fels entlang und es war sehr amüsant die Chinesen zu beobachten, die sich den ganzen Weg entlang am Fels festklammerten. Zu sehen gab es dort außerdem ein Kloster, zu Jessys Freude eine Hängebrücke und die Tianmen Cave von weitem.

Nach der Seilbahnfahrt zurück holten wir unser Gepäck im Hostel ab, gingen noch was essen und nahmen dann den Nachtzug nach Lhiuzhou, wo wir sehr nette chinesische Bettnachbarn hatten, die uns erstmal ein paar Mandarinen schenkten und sogar ein paar Worte englisch sprachen. Lhiuzhou diente uns allerdings nur als Zwischenstopp, daher kauften wir dort gleich die Tickets nach Guilin, wohin wir dann nach kurzer Wartezeit mit einem der modernen Highspeed-Züge weiterfuhren.

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